Peak Oil in der aktuellen Presse


Der Mineralölmarkt war im Jahr 2005 von großen Versorgungsunsicherheiten, verbunden mit teilweise enormen Preissteigerungen geprägt. In der Folge gerät die Frage der zukünftigen Energieversorgung seit Anfang 2006 zunehmend ins Blickfeld von Politik, Wirtschafts- und Tagespresse. Im Rahmen der Berichterstattung wurde auch das, äußerst kritische, so genannte Peak-Oil Phänomen erstmals, mehr oder weniger offen, einer breiten Öffentlichkeit erläutert und dessen Auswirkungen auf die zukünftige Energieversorgung der Industriestaaten aufgezeigt. Fast zeitgleich wurde die Energieversorgungssicherheit von der neuen Bundesregierung, wie auch von der Europäischen Union offen als strategisch wichtiges Top-Thema definiert und mit höchster Priorität auf die politische Tagesordnung gesetzt.

Die alljährlich wiederkehrende Wirbelsturmsaison im Golf von Mexiko und die in der Folge damit verbundenen temporären Ausfälle von Förder- und Raffineriekapazitäten im Einzugsgebiet der Stürme, führte in 2005, erstmals für jedermann an den Tankstellen erkennbar, die äußerst angespannte Situation auf dem Weltrohölmarkt vor Augen. Die von Russland für einige Tage aktiv betriebenen Drosselungen der Gaslieferungen an die Ukraine im Rahmen von Preisverhandlungen zwischen beiden Staaten, machte zudem, die real existierende Abhängigkeit Europas von Russischen Erdgaslieferungen deutlich und ließ voraussichtlich in einer Reihe Europäischer Hauptstätte die Alarmglocken klingeln. Die Tatsache, dass ausgerechnet der der Ölindustrie nahe stehende Amerikanische Präsident George W. Bush offiziell bestätigte, dass Saudi Arabien bereits am Fördermaximum arbeite und in der Folge die Erschließung alternativer Energiequellen ins Zentrum zukünftiger Amerikanischer Politik rücken müsse, zeigt darüber hinaus die Dringlichkeit der Energiefrage im 21. Jahrhundert.

Presseberichte aus EURO und Spiegel

In seiner Märzausgabe überraschte das Wirtschaftsmagazin Euro den Leser mit einer ungewöhnlich offenen Darstellung der aktuellen Situation sowie den zukünftigen Aussichten im Mineralölmarkt. Unter dem Titel „Milliarden-Gewinne mit Energie“ bestätigt das Magazin die von unabhängigen Geologen und Brachenkennern seit Jahrzehnten vertretene Ansicht, dass die weltweite Erdöl-Produktionsspitze unmittelbar bevorsteht. Das „Peak-Oil“ genannte Phänomen, bei dem die Förderentwicklung eines Erdölfeldes – und in der Summe die der gesamten Weltrohölförderung – einem glockenartigen Verlauf folgt und nach erreichen der Spitze, des so genannten „Peak“, geologisch bedingt stark abfällt, wird im Rahmen des Artikels offen beschrieben. Demnach würde die Rohölproduktion, nach überschreiten des Peak, jährlich zwischen 3 und 6 Prozent abnehmen, während gleichzeitig der Rohölbedarf mit 2 bis 4 Prozent pro Jahr steigt. Der Artikel zitiert weiter eine Prognose der US Investmentbank Simmons & Co. wonach die theoretische Lücke zwischen Rohölangebot und –bedarf bereits im Jahr 2020 auf 96 Mio. Barrel/Tag ansteigt. Damit wäre die Angebotslücke knapp 12% größer als der gesamt aktuelle Weltrohölverbrauch von 85 Mio. Barrel pro Tag! Der Artikel beschreibt auch offen das Dilemma um die Berichterstattung über das für alle Industrieländer äußerst kritische Thema. Meist seien es Geologen, die von einem baldigen Erreichen des Fördermaximums ausgingen, während staatliche Organe und von den Mineralölkonzernen abhängige Experten den Produktionshöhepunkt erst zwischen 2010 und 2020 sähen. Unabhängig davon, ob die Weltrohölproduktion bereits in 2006 oder erst in ein paar Jahren rückläufig wird. Die Abhängigkeit aller Industriestaaten vom Erdöl wird in den kommenden Jahren dramatisch zunehmen. Mit sinkender Erdölproduktion wird die Abhängigkeit von anderen Energieträgern wie Gas, Kernenergie und Kohle ebenfalls stark zunehmen. Heute noch weniger rentable Branchen, insbesondere erneuerbare Energien und Brennstoffzellen, würden mit steigenden Ölpreisen schrittweise in die Gewinnzone gelangen. Aus diesem Umfeld leitet das Wirtschaftmagazin zum Schluss eine auf Erdölverknappung ausgerichtete Anlagestrategie ab und empfiehlt Anlegern, die in den kommenden Jahren vom Peak-Oil profitieren wollen sogar den Kauf von Optionsscheinen auf den Ölpreis.

Weitere Informationen
"Peak Oil - Der Anfang vom Ende preiswerten Erdöls" - Ausführliche Informationen auf Energiewirtschaft.net
"It's the Oil stupid" - Artikel zum Thema auf Spiegel-Online
Auch das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ widmete Anfang des Jahres sogar eine ganze Serie den Themen Energieversorgung, Kampf um Rohstoffe und den sich daraus ergebenden politischen Konflikte. In der Ausgabe vom 27. März 2006 stellt das Nachrichtenmagazin unmissverständlich dar, dass der Schmierstoff der Weltwirtschaft knapp sei und alle Erdölproduzierenden Staaten dicht am Förderlimit arbeiten würden. Im Rahmen des Artikels wird Mathew Simmons, ein ehemaliger Berater des weißen Hauses in Energiefragen, zitiert. Dieser sieht den Ölpreis pro Barrel in den kommenden Jahren von aktuell knapp 70$ auf bis zu 250$ steigen. Auch der Spiegel konstatiert, dass sich die meisten seriösen Wissenschaftler einig seien, dass der historische „Peak Oil“, trotz verbesserter Bohrtechnologien und einer weiteren Ausweitung der Produktion, in 5 bis 10 Jahren erreicht sein wird. Dabei geht der Spiegel im weiteren Verlauf der Berichterstattung insbesondere auf die möglichen geopolitischen Folgen der beginnenden Rohölverknappung ein. Es zitiert den amerikanischen Energiefachmann Daniel Yergin, der Erdöl als die treibende Kraft der Industriegesellschaften beschreibt. Aus der Tatsache, dass aber gerade jetzt, wo sich das Ölzeitalter seinem unwiderruflichen Ende zuneige, ein Viertel der Erdbevölkerung in China und Indien Anschluss an eben diese Ära suchen, sieht das Magazin den Treibstoff zukünftiger Konflikte. Sollten diese sogar, kriegsbedingt, zu Ausfällen größerer Produzenten führen, wäre das von Matthew Simmons beschriebene Horrorszenario von Rohölpreisen jenseits der 250$ nicht mehr weit weg.


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Ausführliche Informationen zum "Peak Oil" Phänomen

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