Peak Oil - Der Anfang vom Ende preiswerten Erdöls?

Die zukünftige Entwicklung der Benzinpreise

Unter Berücksichtigung des dargestellten voraussichtlichen Beginns eines langsamen Rückgangs der weltweiten Erdölproduktion, stellt sich natürlich die Frage nach dessen Auswirkung auf den Rohölpreis. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine wirklich seriöse Prognose der zukünftigen Preisentwicklung nicht vorgenommen werden kann, da diese von zu vielen äußeren politischen und wirtschaftlichen Einflüssen abhängt und zusätzlich noch durch spekulative Elemente beeinflusst wird. Trotzdem werden nachfolgend exemplarisch mögliche Szenarien einer zukünftigen Preisentwicklung auf Basis des Tankstellenpreises eines Liters Super-Benzin dargestellt.

Bei der Betrachtung von fertig raffiniertem Benzin ist zu beachten, dass der Verkaufspreis an der Tankstelle nicht nur vom Rohölpreis, sondern auch von weiteren Preiskomponenten beeinflusst wird. Neben den Kosten für Raffination und Vertrieb, fallen in Deutschland insbesondere Mineralöl-, Öko- und Mehrwertsteuer ins Gewicht, da diese in Summe einen Anteil von knapp 70% des Tankstellenpreises ausmachen. Preissteigerungen beim Rohöl schlagen sich daher nicht eins zu eins im Benzinpreis nieder, denn Mineral- und Ökosteuer sind fixe Preiskomponenten und werden nicht in Prozent zu Nettopreis berechnet wie beispielsweise die Mehrwertsteuer.

In den beiden nachfolgend vorgestellten Szenarien wurde die Entwicklung des Rohölpreises der vergangenen 10 Jahre als Basis herangezogen. Basierend auf den durchschnittlichen Preissteigerungen, welche im Rahmen der unterschiedlichen Szenarien jeweils über verschiedene Vergangenheitsperioden ermittelt worden sind, wurde ein entsprechend in die Zukunft extrapolierter Rohölpreis ermittelt. Zur Berechnung des daraus resultierenden Tankstellenverkaufspreises, wurden die jeweils aktuell gültigen Preiskomponenten, wie beispielsweise die Raffineriekosten, oder die Mineralölsteuer hinzuaddiert.

Prognosemodell 1

Im ersten betrachteten Prognosemodell wurde die durchschnittliche Preissteigerung beim Rohöl im Zeitraum zwischen 1995 und 2004 ermittelt. Diese betrug im Durchschnitt exakt 12,4% pro Jahr und berücksichtigt dabei noch nicht einmal die überdurchschnittlich starken Preissteigerungen in 2005. Als weitere, den Preis maßgeblich beeinflussende Rahmenbedingungen wurden der in 2005 gültige Mehrwertsteuersatz von 16% sowie ein Wechselkurs zwischen US Dollar und Euro von 0,81 Euro (Stand August 2005) angenommen.

Im "Best-Case" Szenario steigt der Benzinpreis auf über 4 Euro pro Liter
Auf Basis dieser Grunddaten entwickelt sich der Benzinpreis (blaue Kurve) in den kommenden 15 Jahren bis 2020 auf ein Niveau von 2,26 Euro pro Liter Superbenzin. Bei der Betrachtung der zu Grunde gelegten Grunddaten wird deutlich, dass es sich bei diesem Szenario um relativ konservative optimistische Rahmenbedingungen handelt. Zum Vergleich ist daher in einer zweiten Kurve der Preisverlauf vor dem Hintergrund ungünstigerer, aber voraussichtlich deutlich realistischerer Rahmenbedingungen dargestellt. Bei einer weiterhin durchschnittlichen jährlichen Preissteigerung von 12,4% wurde nun ein Wechselkursverhältnis von US Dollar zum Euro von 1,00 Euro, sowie ein aktuell diskutierter Mehrwertsteuersatz von 18% unterstellt. In der Folge würde sich der Benzinpreis bis 2020 auf 4,07 Euro pro Liter Superbenzin erhöhen.

Prognosemodell 2

Im zweiten Preismodell wurde im Vergleich zur ersten Prognose der überdurchschnittlich starke Preisanstieg im Zeitraum zwischen 1999 und 2004 berücksichtigt. Die durchschnittliche jährliche Preissteigerung beim Rohöl lag in diesem Zeitraum bei 18,9%. Auch hier wurde der besonders starke Preisanstieg in 2005 nicht mit in die Berechnung des Durchschnitts mit einbezogen. Würde dieser mit berücksichtigt betrüge die durchschnittliche Preissteigerung in den vergangenen 5 Jahren 29,6% pro Jahr!

Im realistischeren Szenario steigt der Benzinpreis auf über 7 Euro je Liter Super-Benzin
Auch in diesem Prognosemodell wurde die Preisentwicklung wieder vor dem Hintergrund der bereits im ersten Modell zur Anwendung gekommenen eher optimistischen Rahmenbedingungen einerseits, sowie der eher realistischen auf der anderen Seite in die Zukunft projiziert. Im Ergebnis würde der Preis vor dem Hintergrund optimistischer Rahmenbedingungen auf 6,34 Euro und vor dem Hintergrund realistischer Rahmenbedingungen bis auf 7,73 Euro pro Liter Superbenzin klettern. Die im Vergleich zur Vergangenheit exponentielle Preissteigerung lässt sich dabei zum einen durch die prozentuale Preissteigerung erklären. Darüber hinaus fällt fixe Preiskomponenten in Form von Mineralölsteuern, bei steigendem Rohölpreis, zunehmend weniger in Gewicht. Liegt der Anteil von Steuern und Abgaben am Verkaufspreis heute bei ca.68 Prozent, so fällt dieser Anteil auf unter 20% vor dem Hintergrund der Annahme, da die Mineral- und Ökosteuersätze bis 2020 unverändert bleiben. Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in den Finanzhaushalten von Bund und Ländern erscheint dies jedoch wenig realistisch, sodass von weiteren Preissteigerungen aufgrund von zusätzlich angehobenen Steuern auf Benzin durchaus ausgegangen werden kann.

Mögliche Folgen für die Weltwirtschaft

Das Überschreiten des weltweiten Fördermaximums sowie die daraus resultierenden, heute bestenfalls in Ansätzen abschätzbaren, Preissteigerungen beim Erdöl werden unausweichlich Folgen für die Entwicklung der Weltwirtschaft - insbesondere aber für das Leben und die Entwicklung in den westlichen Industrieländern zur Folge haben. Gerde dort sind materieller und gefühlter Wohlstand, sowie der persönliche Lebensstil der Bürger und das damit zusammenhängende Bedürfnis nach individueller (Bewegungs-)Freiheit, besonders stark mit der unbegrenzten Verfügbarkeit preiswerter Energie verbunden. Die Frage der zukünftigen Energieversorgung wird daher aller Voraussicht nach politisch wie ökonomisch DIE Herausforderung des 21. Jahrhunderts werden!

Fehlende Alternativen

Aus politischer Sicht besonders schwer wiegt dabei die Tatsache, dass kein einziges Industrieland der Welt auf eine Verknappung des Rohstoffs Erdöl wirklich vorbereitet ist. Selbst vor dem Hintergrund der aktuell geradezu empor schnellenden Erdölpreise, finden die geologischbedingten Ursachen, sowie mögliche Folgen für Menschen und Wirtschaft in der wirtschaftlichen und politischen Diskussion bisher kaum Beachtung. Nahezu alle Nachrichten, Magazine und Tageszeitungen sehen den Hauptzusammenhang zwischen der aktuellen Preisentwicklung beim Rohöl abwechselnd entweder in der stark gestiegenen Nachfrage aus China, Indien und den USA, im Irakkrieg, oder in schlichten Spekulationen auf Gewinnmaximierung ausgerichteter Mineralölkonzerne an den internationalen Ölbörsen. Die Möglichkeit eines unumkehrbaren, geologisch bedingten Rückgangs der Erdölproduktion wird dagegen weder von Politik und Wirtschaft, noch von einer breiteren Öffentlichkeit auch nur ansatzweise Erwägung gezogen.

Russisches Erdgas kann den Ölmarkt für einige Zeit entlasten helfen
Dabei ist nach wie vor kein ernstzunehmender Ersatz für Erdöl als Energieträger und Treibstoff absehbar. Zwar wird insbesondere in Westeuropa die Nutzung russischen Erdgases als Heizölersatz weiter vorangetrieben. Jedoch wird dies auch nur für wenige Jahre Abhilfe schaffen können, da die weltweiten Erdgasvorräte heute zwar mit Reichweiten von bis zu 60 Jahren in den Statistiken der Internationalen Energieagentur geführt werden. Wenn diese jedoch zukünftig den weltweiten Erdölbedarf zusätzlich decken müssten, dann würde diese Reichweite schnell auf nur noch ca. 15-20 Jahre schrumpfen.

Versuche mit erneuerbaren Energien, wie beispielsweise Solarzellen oder der Windenergie, haben sich in der Praxis ebenfalls als ungeeignet erwiesen den heutigen Energiebedarf auch nur annähernd decken zu können. Seit in Deutschland beispielsweise aufgrund der steuerlichen Förderung in großem Stil Solarzellen nachgefragt werden, waren zeitweise bereits Engpässe in der weltweiten Siliziumversorgung zu verzeichnen, da Silizium der Grundstoff für die Herstellung von Solarzellen ist. Windenergie kann ebenfalls bis heute nicht wirtschaftlich genutzt werden. Bezieht man die zur Herstellung von üblicherweise in großen Teilen aus Aluminium gefertigten Windanlagen benötigte Energie in die Energiebilanz mit ein, so produziert ein Windrad heute, über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, weniger Energie als zur Herstellung, betrieb und Wartung des Windrades notwendig war. Darüber hinaus kann ein Windrad heute nur dann einigermaßen wirtschaftlich Strom produzieren, wenn der Strompreis entsprechend hoch ist und die Produktion des Windrads mit preiswertem Strom aus Atomenergie erfolgte.

Erneuerbare Energien können Erdöl heute nicht annähernd ersetzen
Die in die Entwicklung der Brennstoffzelle gesetzten Erwartungen konnten ebenfalls bis heute nicht erfüllt werden. Zwar existieren bereits erste Fahrzeugprototypen, jedoch konnte das Problem der notwendigen Wasserstoffproduktion bis heute nicht gelöst werden. Da die Produktion von Wasserstoff mit Hilfe heutiger Technologien mehr Energie erfordert, als durch die Verwendung des Wasserstoffs in der Brennstoffzelle anschließend wieder freigesetzt werden kann, kann diese letztlich nicht wirtschaftlich und effizient betrieben werden. Wenn dazu noch Erdölverbrannt werden müsste, dann wäre der Sinn der Brennstoffzelle insgesamt anzuzweifeln. Auch könnte die Brennstoffzelle Erdöl nicht in allen Bereichen als Treibstoff ersetzen. In Luft- und Seeschifffahrt ist die Nutzung einer Brennstoffzelle derzeit nur schwer vorstellbar. Für ein Flugzeug wäre diese schlicht zu schwer und ein mit Wasserstoff betriebenes Hochseecontainerschiff wäre, vor dem Hintergrund der enormen in der Schifffahrt benötigten Treibstoffmengen und aufgrund der hoch explosiven Eigenschaften von Wasserstoff, mit einer schwimmenden Bombe vergleichbar.

Dämpfer für die Globalisierung?

Wird das im Beitrag skizzierte Szenario weiter gedacht, so könnte die sich in jüngster Zeit entwickelnde globalisierte Weltwirtschaft, mit ihren enormen interkontinentalen Warenströmen, bereits am Ende sein bevor alles so richtig begonnen hat. Heute werden Waren üblicherweise aufgrund des bestehenden (Lohn-)Kostengefälles zwischen industrialisierter und 2. bzw. 3. Welt hin und her transportiert. So werden Rohstoffe und Halbfertigwaren beispielsweise nach China transportiert, um anschließend fertige preiswerte Produkte zurück nach Europa, den USA oder Japan zu transportieren. Aufgrund des heute noch preiswerten Treibstoffes fallen entsprechende Transportkosten in der Gesamtkostenbilanz, im Gegensatz zu den Arbeitskosten, kaum ins Gewicht. In der Folge profitieren einerseits die Entwicklungsländer von der Globalisierung, da vor Ort Arbeitsplätze entstehen, Industrie angesiedelt wird und in der Folge der eigene Wohlstand wächst. Umgekehrt profitieren aber auch die Verbraucher in den Industriestaaten von den preiswert hergestellten Waren. Kostete ein Fernseher vor 10 Jahren noch mehrere tausend Euro, so kostet ein moderner Flachbildschirm aus Südkoreanischer Produktion heute nur noch knapp 1.500 Euro. Andererseits wurden durch die Globalisierung aber auch ganze Industriezweige in Länder mit niedrigen Arbeitskosten verlagert. Preiswert verfügbares Erdöl hat den globalen Lohnkostenwettbewerb daher in letzter Konsequenz erst möglich gemacht.

Quellen & Externe Links
Oil.com
Internationale Energieagentur Publikationen
DieOff.org
Aufgrund der künftig rückläufigen Erdölproduktion und den damit zweifellos verbundenen Preissteigerungen beim Erdöl, sind enorme Verteuerungen beim Transport von Waren zu erwarten. Die Lohnkostenvorteile einer Produktion in China könnten in einigen Jahren möglicherweise durch explodierte Transportkosten aufgezehrt werden. In der Folge würden Lebenshaltungskosten und Kosten für Konsumgüter in den Industriestaaten analog steigen – Inflation wäre die Folge. Insbesondere Deutschland als wirtschaftlich vom Export und somit direkt von preiswertem Transport stark abhängige Nation, hätte zudem rückläufige Exporte zu bewältigen. Denn preiswertes Erdöl hilft heute nicht nur den Entwicklungsländern geografische Distanzen zwischen Regionen mit großen Arbeitskostenunterschieden zu überbrücken. Umgekehrt ermöglicht es entwickelten Volkswirtschaften mit hohem Produktivitäts- und Technologievorteil in geografisch weiter entfernte weniger entwickelte Märkte einzudringen, ohne dabei einen transportkostenbedingten Wettbewerbsnachteil in Kaufnehmen zu müssen. In aktuell rasant aufstrebenden Märkten wie in China wiederum würde sich das Wachstum voraussichtlich stark verlangsamen oder sogar gänzlich zum Stillstand kommen. Ohne preiswerte Transportmöglichkeiten könnten dort produzierte Waren nicht mehr mit dem bisherigen Kostenvorteil in die westlichen Märkte exportiert werden. Zwar könnten Firmen nach wie vor in China für den chinesischen Markt produzieren – es darf jedoch bezweifelt werden, dass die reine Binnennachfrage ausreicht um Chinas Wachstum in bisheriger Form weiter zu führen.


Nach oben...

Zur Zusammenfassung

Markt & News

Netzprojekte