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Allgemeine Hintergründe
Das Phänomen vom Fördermaximum - im Englischen auch bekannt unter dem Begriff "Peak Oil Produktion" - wurde bereits 1956 von King Hubbert, einem damaligen Geologen der Shell Oil, beschrieben und basiert auf der schlichten Tatsache, dass alle endlichen auf der Erde nur in begrenzten Mengen verfügbaren Rohstoffe, in Bezug auf deren Förderung, einen Anfang, einen Mittelpunkt und ein Ende haben. Irgendwann im Verlauf dieses Zyklus wird, in Abhängigkeit vom jeweiligen Rohstoff und den verwendeten Fördertechnologien, das maximale Fördervolumen entweder bereits zu Beginn, in der Mitte, oder erst gegen Ende des gesamten Förderzyklus erreicht.
Bei der Betrachtung des Rohstoffs Erdöl lässt sich festzustellen, dass die Erdölproduktion in der Praxis üblicherweise einer "Glockenkurve" folgt. Das Fördermaximum wird dabei erreicht, wenn etwa 50% des förderbaren Erdöls gefördert wurde. Von wenigen Ausnahmen abgesehen trifft diese Beobachtung relativ exakt für nahezu alle weltweit bisher erschlossenen Ölfelder und sogar für ganze Förderregionen zu, da diese ja letztlich nichts anderes als die Summe mehrerer Ölfelder bilden.
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| Die "Hubbert-Curve" zeigt den üblichen Verlauf der Erdölproduktion |
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Der beschriebene Förderverlauf in Form einer Glockenkurve hat dabei geologische wie auch förderstrategische Ursachen. Eine geologische Ursache in vielen Erdölfeldern vor allem in denen des Mittleren Ostens - ist der im natürlichen Erdölspeicher vorhandene Druck, welcher das Rohöl, besonders in der Anfangsphase der Förderung, oft ohne weiteres zutun an die Oberfläche befördert. Im weiteren Verlauf der Förderung nimmt der natürliche Druck dann jedoch kontinuierlich ab, bis dieser zum Ende des Förderzyklus mit Hilfe von zugepumpten Wasser oder Wasserdampf sogar künstlich erzeugt werden muss. Hauptursache für den glockenkurvenartigen Förderverlauf in Bezug auf die Förderstrategie ist die gängige Praxis ein neues Erdölvorkommen zunächst mit nur wenigen Bohrungen zu erschließen, um dann im weiteren Verlauf, sofern sich die zuvor mit Hilfe von geologischen Messverfahren geschätzten Erdölreserven bestätigen, nach und nach weitere Bohrungen vorzunehmen. Diese erhöhen dann schrittweise das tägliche Fördervolumen, verändern jedoch in der Folge auch den Verlauf der Förderkurve, indem das Fördermaximum höher ausfällt und früher erreicht wird. Im weiteren Verlauf der Produktion fällt das tägliche Fördervolumen jedoch entsprechend steiler ab, sodass die vorhandenen Ölreserven auch früher erschöpft sind. Die Förderkurve wird mit einer zunehmenden Anzahl von Förderstellen am selben Erdölvorkommen gestaucht und verläuft entsprechend steiler.
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| 30 Giga-Barrel entsprechen dem Volumen eines Würfels mit 1,6 Kilometern Kantenlänge |
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Bei der Betrachtung der weltweiten Erdölreserven ist zunächst festzustellen, dass diese die Summe aller heute bekannten Einzelvorkommen bilden und in der Folge die weltweite Förderkurve ebenfalls glockenkurvenartig verläuft. Werden in die beschriebenen geologisch-technischen Aspekte zusätzlich ökonomische Überlegungen mit einbezogen, so gewinnt die Theorie vom weltweiten Fördermaximum jedoch erst ihre eigentliche Brisanz für die zukünftige Energieversorgung in den großen Industrienationen, sowie für die Entwicklung der Weltwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten.
In der Vergangenheit wurde die oftmals politisch motivierte Diskussion meist über die voraussichtliche Gesamtreichweite der weltweit bekannten Erdölreserven geführt, wobei entsprechende Kritiker der Verwendung fossiler Brennstoffe im Allgemeinen von nur noch wenigen Jahrzehnten, die Mineralölindustrie dagegen von deutlich über 100 Jahren ausging. Mittlerweile hat sich jedoch eine weitestgehend einheitliche Sprachregelung durchgesetzt, wonach die bisher bekannten Ölreserven, vor dem Hintergrund einer jährlichen Erdölproduktion von aktuell ca. 30 Gigabarrel (30 Mrd. Barrel), in Summe noch ca. 40 Jahre reichen werden. Ein von der Ölindustrie, Politikern und insbesondere Wirtschaftswissenschaftlern in der Vergangenheit gerne geführte Argumentation war das Phänomen, dass in den zurückliegenden Jahrzehnten die zum jeweiligen Zeitpunkte statistisch erfassten weltweiten Erdölreserven, trotz kontinuierlich steigender Produktion und seit den 80’er Jahren rückläufigen Neufunden, weitestgehend gleich blieben bzw. sogar signifikant gestiegen sind. In der Folge sei, so die Argumentation, auch in Zukunft davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird und mit Hilfe technologischer Fortschritte kontinuierlich neue Erdölvorkommen erschlossen würden. Dass diese Argumentation hinkt und in höchstem Maße Zweifel an entsprechend geführten Statistiken angebracht sind, wird im weiteren Verlauf des Beitrags noch deutlich.
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| Mit zunehmender Zahl an Förderstellen wird die Förderkurve steiler |
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Viel wichtiger scheint dagegen die Tatsache, dass die Betrachtung des weltweiten Fördermaximums, im Vergleich zur Gesamtreichweite der Erdölvorräte den kritischen Punkt, zeitlich gesehen, viel weiter nach vorne legt - nämlich auf den Zeitpunkt an dem ca. 50% der weltweit förderbaren Erdölreserven aufgebraucht und in der Folge das geologisch mögliche Fördermaximum überschritten wird. Ab diesem Zeitpunkt nämlich steht einer voraussichtlich weiter kontinuierlich steigenden weltweiten Nachfrage nach Rohöl ein zunehmend knapper werdendes Angebot gegenüber. Ökonomisch betrachtet findet damit ein Wechsel von einem nachfrageorientierten Markt hin zu einem angebotsorientierten Markt, mit entsprechend dramatischen Auswirkungen auf die Preisentwicklung für Rohöl, statt. Diese Entwicklung wird zusätzlich noch verstärkt, weil ehemals Erdöl exportierende Staaten, aufgrund rückläufiger Produktionsvolumina, in naher Zukunft schrittweise zu Erdölimporteuren werden und so die Nettonachfrage nach Erdöl, ganz ohne zusätzliches weltweites Wirtschaftswachstum, weiter steigern werden.
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Quellen & Externe Links |
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Die wirtschaftlichen Folgen einer zunehmenden Rohölknappheit sind dabei heute bestenfalls erahnbar. Zwar könnten neu entdeckte und erschlossene Erdölvorkommen den Förderverlauf insgesamt flacher verlaufen lassen und in der Folge das Erreichen des weltweiten Fördermaximums leicht verzögern. Fakt ist jedoch, dass die Menschheit, allen voran die großen Industrienationen sowie Indien und China, bereits heute viermal mehr Erdöl pro Jahr verbrauchen als neue Vorkommen entdeckt und erschlossen werden energiepolitisch leben wir damit alle von der Substanz ohne dass entsprechende Alternativen auch nur annähernd sichtbar geschweige denn bereits verfügbar wären. Trotzdem wird aktuell versucht das tägliche Fördervolumen, insbesondere in den Staaten des Mittleren Ostens, kontinuierlich zu erhöhen, um den steigenden weltweiten Hunger nach Erdöl decken zu können, sowie um gleichzeitig den Ölpreis möglichst zu stabilisieren.
Daraus lässt sich folgern, dass das Fördervolumen in den jeweiligen Regionen künstlich erhöht wird, indem die Produktion aus vorhandenen Förderanlagen erhöht und zusätzlich in Zukunft möglicherweise weitere Förderanlagen in Betrieb genommen werden. Gemäß dem Glockenkurvenverlauf hätte dies jedoch einen entsprechend stärkeren Abfall der Produktion im weiteren zeitlichen Verlauf zur Folge mit voraussichtlich dramatischen Auswirkungen auf die weltweite Preisentwicklung beim Rohöl.
Das weltweite Fördermaximum ist bald erreicht
Vor dem Hintergrund der beschriebenen geologischen, technischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge stellt sich natürlich die Frage wann das weltweite Fördervolumen aller Voraussicht nach erreicht wird bzw. ob dies, angesichts der aktuell enorm steigenden Rohölpreise, möglicherweise bereits geschehen ist?
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| Neubewertungen der Erdölvorkommen während und nach der Erschließung |
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Dazu ist zunächst festzustellen, dass die Vorhersage eines exakten Zeitpunktes in Form einer konkreten Jahreszahl für das Erreichen des weltweiten Fördermaximums seriös letztlich nicht getroffen werden kann. Zwar existieren entsprechende Prognosen bekannter Erdölgeologen wie beispielsweise Colin Campbell, der den weltweiten Peak für das Jahr 2007 prognostiziert. Jedoch müssten für eine nachhaltige Vorhersage gesicherte Daten in Bezug auf das Volumen bereits bekannter Erdölvorkommen vorliegen, was de facto jedoch nicht der Fall ist und den Laien zunächst einmal verwundert. Erst in 2004 erregte beispielsweise der Shell Konzern weltweit Aufsehen (und Unruhe an den Börsen), als er offiziell eine Abwertung der in den Konzernbilanzen geführten Erdölvorkommen verkündete. Dabei handelte es sich um eine Korrektur von nicht weniger als 22% (!) - also beileibe keine Kleinigkeit! Die notwendige Transparenz wird insbesondere behindert, weil sich das Gro der weltweit bekannten Erdölvorkommen im Besitz staatlicher, den jeweiligen Förderländern gehörenden Unternehmen befindet. Diese haben, aus unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Gründen, meist kein Interesse an einer entsprechenden Transparenz und behindern somit eine neutrale statistische Erfassung und Bewertung der weltweit verfügbaren Erdölvorkommen.
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| "Wundersamer" Reservenanstieg bei der OPEC in den 80er Jahren. |
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Insbesondere die Angaben über die größten weltweit vermuteten Erdölreserven im Mittleren Osten sowie in Russland scheinen alles andere als gesichert. Erst vor dem Hintergrund der steigenden Erdölpreise fiel es Analysten beispielsweise auf, dass Saudi Arabien und andere Staaten des Mittleren Ostens seit Jahrzehnten stets dieselben Erdölvorkommen an die Internationale Energieagentur (IEA) gemeldet hatten. Und dies obwohl die weltweite Produktion seit 1980 dramatisch gestiegen ist. Darüber hinaus waren in den 80'er Jahren seitens der in der OPEC organisierten Förderstaaten „wundersame“ Zuwächse der angeblich gesicherten Erdölreserven zu beobachten, ohne dass diesen entsprechende Neufunde gegenüberstanden. Grund hierfür waren die von der OPEC in den 80’er Jahren festgelegten Förderquoten, welche sich prozentual am gesamten in einem Mitgliedsstaat vorhandenen Erdölvorkommen orientierten. Durch eine künstliche rein statistische Erhöhung der offiziell gemeldeten Reserven, welche auch niemand nachprüfte, konnten so höhere Förderquoten für den entsprechenden Staat innerhalb der OPEC erzielt werden.
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| Die größten Saudi Arabischen Edölvorkommen befinden sich seit Jahrzehnten in Produktion |
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Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die weitverbreitete Praxis vieler Förderstaaten und auch Mineralölkonzerne, im nachhinein vorgenommene Höherbewertungen der insgesamt förderbaren Reserven bereits in Produktion stehender Ölfelder, trotz bereits mehrjähriger Förderung, nicht etwa zurück zu datieren, sondern im Jahr der Neubewertung mit der höher geschätzten Gesamtmenge anzusetzen. Auf diese Weise wuchsen in den vergangenen Jahrzehnten die weltweiten Erdölreserven, trotz stark steigenden weltweiten Verbrauchs und weitestgehend ausbleibender Neufunde, in den Statistiken der internationalen Energieagenturen.
Fakt ist jedoch, dass das letzte Giga-Feld beispielsweise in Saudi Arabien [Ghawar] bereits Anfang der 60er Jahren entdeckt und erschlossen wurde und noch heute die Hauptquelle Saudi Arabischen Erdöls darstellt. Die seit Jahren veröffentlichten Daten über "bestätigte Erdölreserven" können daher kaum stimmen. Der in den USA jährlich veröffentlichte "World Crude Oil's Outlook" klassifiziert in seiner Ausgabe 02/2005 die wichtigsten Förderstaaten in die Kategorien: „Maximales Fördervolumen (Peak) bereits überschritten“, „Möglichkeit Förderkapazitäten weiter auszubauen“ und „Fragliche Kapazitäts- bzw. Reserveangaben des jeweiligen Förderstaates“.
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| Reserveangaben bedeutender Förderländer gelten als unseriös |
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Zwar ist die vorgenommene Zuordnung der Länder in die entsprechenden Klassen eher subjektiv und nicht abschließend wissenschaftlich gesichert. Dennoch stimmt es nachdenklich, dass ausgerechnet diejenigen Förderländer, auf denen in Bezug auf die zukünftige Versorgung der Weltwirtschaft mit Erdöl alle Hoffnungen ruhen, als besonders unzuverlässig bezüglich des zur Verfügung gestellten Datenmaterials gelten. Sollten weder Saudi Arabien noch die ehemaligen GUS Staaten in der Lage sein das aktuelle Produktionsvolumen über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahrzehnten zu halten bzw. weiter auszubauen, so würden sich sämtliche weltweit angestellten Szenarien zur zukünftigen Energieversorgung auf der Stelle in Luft auflösen.Trotz der bereits genannten Unsicherheiten bei der Bewertung des vorhandenen Datenmaterials existieren jedoch Prognosen verschiedener bekannter Erdölgeologen, wie beispielsweise Collin Campbell, welche das Erreichen des weltweiten Fördervolumen in die Zeit zwischen die Jahre 2004 und 2010 datieren. Wenn also, wie bereits beschrieben, ein exakter Zeitpunkt für das Erreichen des weltweiten maximalen Fördervolumens nicht genau bestimmt werden kann, so stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht nachhaltige Hinweise gibt, welche auf ein möglicherweise baldiges Erreichen des weltweiten Fördermaximums schließen lassen.
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