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26. Juni 2004
Unsichere Erdölreserven - Shell wertet ausgewiesene Öl- und Gasreserven ab
Die Tageszeitung „Die Welt“ berichtete in der Ausgabe am 21.06.2004 über den Vorwurf an führende Shell Manager Vorrats-Prognosen des Unternehmens in den vergangenen Jahren systematisch manipuliert zu haben. Das Blatt zitiert das niederländische NRC-Handelsblad, welches zuvor eine vertrauliche E-Mail des Shell Manager Hans Boumann an seine Kollegen Jeroen von der Veer und Malcolm Brinded mit entsprechenden Hinweisen abgedruckt hatte.
Demnach schätzt Hans Boumann, dass in den kommenden Monaten hunderte führender Manager entlassen werden müssten, um die aktuelle Vertrauenskrise überstehen zu können. Diese hätten seinen Worten nach alle von den Manipulationen gewusst bzw. aktiv an diesen mitgearbeitet.
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Quellen & Externe Links |
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Bereits am 19. April meldete das Handelblatt, dass das Unternehmen, auf Grund der Bilanzmanipulationen, seine Gewinne der vergangenen Jahre um insgesamt 446 Millionen Dollar nach unten korrigieren musste. Besonders peinlich für das renommierte Unternehmen ist die Tatsache, dass das Ausmaß der Bilanzfälschung erst nach und nach ans Licht kam, sodass die Vorräte in diesem Jahr bereits viel mal nach unten korrigiert werden mussten. Nach anfänglicher Katerstimmung reagierten die Anleger dem Handelsblatt zufolge jedoch zunehmend gelassener, sodass die jüngste Korrektur keinen Einfluss mehr auf den Börsenkurs des Unternehmens hatte. Jedoch habe die US-Börsenaufsicht SEC nun offiziell Ermittlungen gegen Shell eingeleitet.
Die personellen Konsequenzen scheinen sich indes zunehmend zuzuspitzen. So verglich „Die Welt“ in ihrer Ausgabe vom 20. April einen Artikel über Entlassungen in der Konzernspitze mit einem „munteren Manager-Kegeln“. Hintergrund war die Entlassung des Vorstandsvorsitzenden Philip Watts und seiner Finanzchefin Judith Boynton. Mittlerweile wurden 90% der ausgewiesenen Erdölreserven des Unternehmens neu Bewertet. Im Ergebnis mussten die Erdölreserven des Unternehmens um 22% auf nunmehr knapp 15 Millionen Barrel (159 Liter) nach unten korrigiert werden.
Analysten bezweifeln derweil die Bewertungsmethoden der gesamten Branche. Der Informationsdienst Energiekrise.de vergleicht dazu zur Veranschaulichung die bewerteten Erdölvorräte des norwegischen Gasfeldes „Omen-Lange“ in den Bilanzen der am Feld beteiligten Konsortialunternehmen. Die Reserven des Feldes (EUR = Estimated Ultimated Recovery) wurden ursprünglich auf 2.500 Giga Barrel Ölequivalent geschätzt. Nach den Regeln der US-Börsenaufsicht SEC dürfen jedoch nur die als gesichert eingestuften nachgewiesenen Reserven, die so genannte „Proved Reserve“ (PR), in der Bilanz eines Unternehmens bewertet und ausgewiesen werden. Nachgewiesene Reserven sind nach den Regeln der SEC diejenigen Reserven, für die ein konkreter Förder- oder Entwicklungsplan existiert. Entsprechend der Anteile des Eignerkonsortiums ergaben sich nachfolgende in den Bilanzen veröffentlichte ausgewiesene Erdölreserven des Feldes:
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Unternehmen
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Anteil %
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Anteil EUR
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Anteil PR
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Anteil PR an EUR
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Petoro
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36,5%
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912 MBOE
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600 MBOE
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65,7%
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Norsk Hydro
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18,1%
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451 MBOE
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336 MBOE
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74,5%
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Shell (ALT)
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17,0%
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426 MBOE
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256 MBOE
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60,0%
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Shell (NEU)
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17,0%
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426 MBOE
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90 MBOE
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21,1%
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Statoil
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10,8%
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271 MBOE
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70 MBOE
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25,8%
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BP
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10,3%
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258 MBOE
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218 MBOE
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84,5%
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Exxon Mobile
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7,2%
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181 MBOE
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60 MBOE
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33,1%
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Summe
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100,0%
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2.500 MBOE
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1.630 MBOE
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65,2%
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Die Erkenntnis aus diesen Zahlen ist, dass offensichtlich alle am Gasfeld beteiligten Unternehmen das Volumen der nachgewiesenen Reserven (PR) des Gasfeldes Omen-Lange nach unterschiedlichen Maßstäben bewerten. Insbesondere nach der Neubewertung der Reserven durch Shell (Shell NEU) ergeben sich berechtigte Zweifel an den Bewertungsmethoden der Unternehmen. Zu groß erscheint die Schwankungsbreite von 63,4%.
Noch brisanter stellen sich die Erkenntnisse dar, wenn diese auf die gesamte Branche und die damit verbundenen geschätzten weltweiten Gas- und Erdölreserven übertragen werden. Seit der Enteignung der großen Mineralölkonzerne durch staatliche Ölkonzerne in Nahost konnten die von den Regierungen jährlich vorgenommenen Reserveabschätzungen nicht mehr auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden. Sollten die geschätzten weltweit nachgewiesen Erdölreserven ebenfalls mit einer Schwankungsbreite von 60% überschätzt worden sein letztlich kann niemand in der Erde nachschauen wie groß die Vorkommen tatsächlich sind dann könnte zumindest der bloße Verdacht bereits ein Grund für die aktuelle Unsicherheit am Mineralölmarkt sein. Sollten sich entsprechende Szenarien auch nur annähernd bestätigen wären die Auswirkungen auf die westlichen Volkswirtschaften, sowie Japan und China verheerend. Die Tatsache, dass sowohl die großen Mineralölkonzerne, als auch die Förderländer von beschönigten Zahlen profitieren würden, verunsichert zusätzlich. Schließlich hätte ein Ende des unbegrenzten und preiswerten Öls ein entsprechendes energiepolitisches Umdenken in den Verbraucherländern, sowie enorme Wertverluste der beteiligten Unternehmen zur Folge.
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