11. Juni 2004

China entwickelt sich zunehmend zum Grosskonsumenten am Erdölmarkt

Die Neue Züricher Zeitung beschäftigt sich in einem Artikel mit dem steigenden Energiehunger Chinas. Das Blatt stellt fest, dass China in den letzten Jahren vom Selbstversorger zum nach Japan zweitgrößten Importeur weltweit geworden ist. Dabei dürfte sich die Nachfrage in den kommenden Jahren weiter drastisch erhöhen.

Nach einer ersten Phase der wirtschaftlichen Öffnung des Landes in den Jahren 1990 bis 2000, zog in den vergangenen Jahren insbesondere die Binnennachfrage kräftig an. China ist derzeit auf dem Weg, zu einem der weltweit größten Automobilmärkte zu werden. Darüber hinaus können sich als Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs immer mehr Menschen elektrischen Haushaltsmaschinen und Klimaanlagen leisten. Die rasch steigende Bedürfnis der chinesischen Bevölkerung nach zunehmender Mobilität trägt ebenfalls zum steigenden Energiehunger bei.

Analog zur industriellen Entwicklung in Amerika und Europa, baut auch die chinesische Wirtschaft auf die unbegrenzte Verfügbarkeit von Energie, insbesondere in Form von Öl und Gas. Zwar besitzt China eigene Rohölvorkommen, deren Kapazität durch die Erschließung weiterer Quellen zukünftig ausgebaut werden soll. Trotzdem wird dies zu Deckung der gewaltig gestiegenen Nachfrage bei weitem nicht ausreichen.

Die Neue Züricher Zeitung  sieht daher eine besondere politische Herausforderung Chinas im vorsichtigen Aufbau effizienter und sicherer Versorgungs- und Handelwege, da Chinas militärischer Einfluss im Nahen-Osten nur sehr gering sei. Zwar böte sich der Aufbau von Versorgungswegen aus Russland an – entsprechende Projekte seien bereits in der Planung. Allerdings konstatiert das Blatt eine gewisse Zurückhaltung der russischen Seite, da man eine Kräfteverlagerung in Fernost zugunsten Chinas befürchtet. Dies bedinge eine umsichtige und vorsichtige Strategie der chinesischen Regierung beim Aufbau entsprechender Kooperationen, sowie eine Streuung unterschiedlicher Importquellen und Energieträger.

Gemäß einer Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) konsumierte China in 2003 rund 5,46 Mio. Barrel Erdöl. Konnte das Land vor 10 Jahren noch Erdöl exportieren, so wird geschätzt, das China im Jahr 2010 knapp 50% seines Bedarfs importieren müsse. Richtig besorgniserregend wird ein Szenario unter der Annahme, dass China einen Pro-Kopf-Verbrauch in der Höhe des Durchschnitts der industrialisierten Länder erreicht. Dieser lag 2002 bei ca. 12 Barrel pro Kopf und Jahr. Hochgerechnet auf 1,3 Mrd. Menschen würde dies zu einem Jahresbedarf von insgesamt 15,6 Mrd. Barrel führen – fast die Hälfte des aktuellen weltweiten Jahresrohölbedarfs (Quell: Eigene Berechnungen). Die Auswirkungen eines solchen Szenarios auf Preise und Reichweiten der weltweiten Erdölreserven sind aktuell kaum abzuschätzen.